Übersicht asiatischer Kampfformen


  Herkunft / Historie Art / Prinzipien
Aikido Japan, vor ca. 60 Jahren begründet. Sieg durch Frieden. Die angreifende Kraft wird durch runde Ausweichbewegungen mit der Kraft des Verteidigers vereint, umgelenkt und gegen den Angreifer geführt. Von Elementen des Jiu-Jitsu und Schwertkampfs geprägt.
Arnis (Kali / Escrima) Philippinen, verschiedene Namen / Stile je nach Sprachen / Inseln und Besatzungsmächten. Wurzeln im 5. Jh. Arnis = spanisch für Harnisch (arnes), Stockkampf. Kampfform(en) mit Stöcken oder Gegenständen, die als verlängerter Arm des Kämpfers gelten. Entwaffnungstechniken, weiche und fließende Bewegungen.
Hapkido Korea, entstand vor 1.000 Jahren. Lehrmethode oder Lebensweg (Do) durch die geistige Kraft (Kn), Körper und Geist in harmonischen Einklang (Hab) zu bringen. Ein Angriff soll human abgewehrt werden. Bewegungen sind rund, harmonisch und natürlich. Wurf-, Hebel-, Faust- und Fußtechniken für Angriff und effektive Selbstverteidigung. Auch meditative Übungen und spezielle Atemtechnik. 
Jiu-Jitsu Japan, Entstehung um das Jahr 1650. Weiche Kunst. - Siegen durch Nachgeben. Abwehr unter Nutzung von Hebelgesetzen und Kenntnissen der Körper-Schwachstellen.
Kalarippayat Indien. Wurzeln in der Nayar-Kriegerkaste  (12. bis 14. Jh.) Kalari  = Übungsraum, Payat = Kampfkunst. Weg um den Körper gesund zu halten und den Geist zum Frieden zu führen. Wurftechniken, Hebel- und Haltegriffe, Sprungtechniken, gute Bein- und Fußarbeit. Beziehung zum Yoga, Atemkontroll-Techniken (Heilkunst). 
Karate Japan / Okinawa. Grundidee aus China. Begründung des modernen (Shotokan-) Karate Anfang 20. JH. Prinzip der leeren Hand (Kara-te). Verschiedene Stilrichtungen. Schläge, Stöße und Tritte gegen empfindliche Körperstellen bzw. Verteidigungstechniken dagegen. Oberstes Ziel innerer Reifeprozess zur Vervollkommnung des Charakters - ein Karatekämpfer beginnt nie eine Aggression. Anwendung technisch-physikalischer und psychologischer Prinzipien.
Kung Fu / Wushu China. Entstehung um 520 im Shaolin-Kloster. Eine Arbeit gut ausführen. Hand-, Fuß- und Waffentechniken. Perfektes Wushu = traumwandlerische Beherrschung von Griffen, Sprüngen, Stößen, Schlägen und Tritten. Basiert auf taoistischer Philosophie: Sanft Handeln, aber in der Sache hart bleiben und durch Anstrengung inneres Gleichgewicht schaffen. Diverse Stilrichtungen, auf Natur- und Tierbeobachtungen oder Mythologie beruhend. Angriff und Verteidigung erfolgen gleichzeitig. 
Kendo Japan. Aus alter Samurai-Kriegskunst entstanden. Der Weg des Schwertes. Verkörpert neben der technischen Vollendung der Schwerttechnik geistige und charakterliche Werte. Übungswaffe ist das Shinai, ein 1,15 m langer Bambusstock, der mit beiden Händen geführt das Langschwert simuliert. Traditionelle Schutzkleidung gegen Treffer. Ausgezeichnetes Konzentrationstraining.
Pencak Silat Indonesien und Malaysia. Erste Dokumentation im 7. Jh. Fußtritte, Würfe, Faustschläge und Hebel. Fließende Bewegungen, Ausweichen, ästhetische Vollendung (kunstvolles Kämpfen). Zum Teil mit Waffen, Kleidung, Musik indonesischer und malaiischer Kultur. Wechsel von schneller Anspannung und Entspannung.
Taekwondo Korea. Weiterentwicklung des alt-koreanischen Tae Kyon. Das moderne Taekwondo entstand um 1955 durch Zusammenschluss der größten koreanischen Kampfschulen. Olympische Sportart. Kunst / Weg (Do) des Fuß- (Tae) und Faust- (Kwon) Kampfs. Es wird mit voller Kraft getreten bzw. geschlagen.
Thai-Boxen Thailand. Entwickelte sich aus chinesischen Kampfkünsten. Muay Thai (Muay = schlagen, stoßen). Nutzung von Fäusten, Ellenbogen und des ganzen Beins für Angriff und Verteidigung. Schnelligkeit und Nehmerqualitäten zeichnen Thai-Boxer aus. Heute realistischer und überharter Kampfsport, vor allem als Profisport in Thailand, Niederlanden und USA beliebt.
Viet Vo Dao Vietnam. Entstanden aus alten Geheimkünsten von Familien, 1938 zu einheitlichem System gefasst. Viet = Vietnam, Vo = Kampfkunst, Dao = Weg, Lehre. Fußtritte, Fauststöße (im Kreisbogen ausgeführt), Wurf- und Waffentechniken. Theorien der Überlegenheit körpernaher Techniken, des Nachgebens gegen den Einsatz von Kraft, des Überraschungsprinzips, des Geheimnisses von Täuschungen oder des Ausweichens ohne Widerstand.  
Wing Tsun Südchina. Weit verbreiteter Kung Fu-Stil, vor ca. 250 Jahren von einer buddhistischen Nonne entwickelt. Ohne große Körperkräfte oder besondere Gelenkigkeit wirkungsvoll. Intuition hat Vorrang. vor festgelegten Techniken. Die Distanz zum Gegner wird schnell überbrückt, um seine Bewegungen zu blockieren. Dichtes Netz an Privatschulen in Deutschland (Wing Tsun GmbH & Co KG spricht selbst von zeitgemäßer Marktorientierung).

Quelle: Judo Magazin Aug. / Sept. 2003